Großartiger Erfolg beim Landeswettbewerb der Philolympics

Nach dem Erfolg des BRG/BORG Schwaz im vergangenen Jahr fand heuer der Landeswettbewerb Tirol der internationalen Philosophie-Olympiade in unserer Nachbarschule statt. Am Vormittag schrieben insgesamt 24 Kandidat*innen aus Innsbruck, Telfs, Schwaz, Kufstein und St. Johann einen philosophischen Essay zu einem von vier Themen. Am Nachmittag gab es darüber hinaus einen philosophischen Workshop mit Dr. Leonhard Menges von der Universität Salzburg. Eine Jury von insgesamt acht Lehrer*innen aus den teilnehmenden Schulen bewertete die geschrieben Essays.

Vom Paulinum nahmen Anna Sophia Tschuggnall und Andreas Hörmann (beide 7A) teil und verpassten nur knapp einen Platz unter den ersten zwölf. Besonders freuen wir uns aber über die Platzierung von Anna-Maria Hirschhuber (8A), die ihre Leistung aus dem letzten Jahr, als sie Dritte geworden war, eindrucksvoll bestätigte. Sie erreichte den hervorragenden zweiten Platz. Zu dieser tollen Leistung gratulieren wir ihr herzlich!

Gemeinsam mit der Siegerin Lena Stockinger vom BORG Telfs wird Anna-Maria daher Tirol beim Bundeswettbewerb Ende März in Salzburg vertreten und wir wünschen ihnen dafür alles Gute und viel Erfolg.

Hier der Essay von Anna-Maria

Thema 1: „Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert. Tief aber und radikal ist immer nur das Gute“. (Hannah Arendt: Der Briefwechsel 1939-64. Hannah Arendt an Gershom Sholem, 1963)

 

 

Die andere Art von „Proletariat erhebt euch“ oder der Mensch ist ein Wesen aus Grau

Der alte, weiße Mann glaubt nicht mehr an Radikalität, an jungen Schwung, an einen Zeitgeist der seiner Zeit voraus ist. Er stützt sich auf seinen Palast aus altem Glauben und staubigen Marmor, den seine Hausangestellte aus dem ehemaligen Jugoslawien immer mit vollem Eifer putzen muss – lächeln bitte nicht vergessen. Mancher, der nicht viel Zeitung liest, der keine Nachrichten an sich heranlässt und nur RTLs Hitserie „Schwiegertochter gesucht“ glotzt, mag wirklich glauben, dass es vorbei ist, dass wir – also die Menschheit – also der weiße, westliche Anteil, die Menschheit wirklich aus der Wüste der Kriege, der Dürre, der Wirtschaftskrise herausmanövriert haben wie damals Abraham seine Sippe. Die Bibel war damals jedoch schon weiter, Sara wurde beim Namen genannt. Die Welt ist jedoch keine Gerade, auch keine Exponentialfunktion. Die Geschichte schlägt Sinuskurven. Auf eine Bewegung folgte eine Gegenströmung und so weiter. Es ist ein nie aufhörender Strom mit dem Nil vergleichbar. Das Böse kann nicht existieren ohne das Gute – das Gute hat keine Daseinsberechtigung ohne das Böse. Was wäre Batman ohne den Joker? Ein stinkreicher, weißer Kerl in einem hautengen Latexanzug und nichts weiter. Ein Spinner. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, weil es sich nicht definieren lässt. Wir wüssten das Gute nicht mehr zu schätzen, wenn wir manchmal nicht durch dunkle Zeiten gehen müssten, manchmal durch schwarze und manchmal ist es so als wäre die Sonne für immer vom Horizont verschwunden und nichts in dieser Welt könnte sie dazu bewegen ein letztes Mal noch ihre Pracht mit uns zu teilen. 

Wie soll ich es sagen ohne undankbar zu wirken oder so ausgelutscht wie Greta Thunberg von manchen Kritiker*innen belächelt wird. Die Generationen vor mir haben diese Erde kaputt gemacht – teilweise aus Unwissenheit meistens jedoch aus purer Gier. Es soll jedoch noch Hoffnung geben, hieße es. Die Politik muss nun handeln und nun könnte ich als junge, gebildete, kritische Bürgerin aufschreien und mir die gefärbten Haare raufen, wenn ich sehe, dass andere Parteien als die, die sich für den aktiven Klimaschutz einsetzen würden am meisten Stimmen bekommen. Australien brennt, interessiert das keinen von den „Stammwählern“ als direkte Auswirkung der Klimaerwärmung? Nein, es wachsen nicht nur die Parteien in Prozentanteilen, die sich nicht um die Umweltpolitik scheren, sondern die sind meistens auch die, die eine erhöhte innere Sicherheitspolitik wollen. „Ausländer raus!“ hört man auf manchen Demos, auf denen alte Männer und junge Männer im Geiste alt ihre Parolen rufen, aber nur wenn die Demo vor einem Wirtshaus ist, sonst lohnt es sich ja gar nicht. Danach müsse man ja mit einem Feierabendbierchen den Wahlsieg feiern, auch wenn die Wahl noch gar nicht stattgefunden hat. Ich will ganz ehrlich sein: Ich habe Angst. Ich habe Angst, weil ich hoffentlich die nächsten 50 Jahre noch leben werde. Ich wäre dann 68 und wir würden uns im Jahre 2052 befinden. Zwei Jahre nach dem angeblichen Wendepunkt, ob wir die Klimaerwärmung stoppen könnten. Die, die diesen ganzen Mist verzapft haben, sind dann schon längst unter der Erde. Es werden sich, pardon es haben sich schon angefangen radikale, linksliberaler Gruppen zu bilden, die anfangen werden, zu versuchen die Erde zu befreien auf ihre eigene junge, naive Art. Wer kann es ihnen verdenken? Die jungen Menschen werden doch von jedem verarscht und gegen den allgemeinen Konsens bekommen sie es mit, denn Lauscher aufgesperrt, junge Menschen sind nicht dumm. Das Einzige, das sie unterscheidet ist, dass sie Hoffnung haben und Hoffnung macht Menschen gefährlich, denn es bedeutet, dass sie etwas zu verlieren haben. Im Sommer wurden Molotow-Cocktails auf eine FPÖ-Zentrale in Niederösterreich geworfen, zugegeben eine kleinere Lappalie, jedoch nicht zu übersehen. Die Unzufriedenheit ist nicht zu übersehen, zu überhören. Ein System muss immer in sich zusammenfallen, in die teilweise bis komplette Anarchie, mit dem Zweck, dass daraus etwas Neues, Schönes, Einzigartiges entstehen kann. Wer kann es denn diesen jungen Menschen verdenken, dass sie auf die Straßen gehen, wie in Hongkong, weil sie Angst vor ihrem Nachbar China haben, der sie verschlucken will? Sie kämpfen mit Worten, mit Fäusten mit Taten. Das ist mehr, als die Generation über uns geschafft hat. Junge Menschen werden natürlich dadurch radikalisiert – sie haben einen gemeinsamen Gegner – das Regime in diesem Fall. Im Orient beginnt gerade der „zweite Arabische Frühling“, wie es der STANDARD nennt. Die Welt wacht auf – geweckt durch das Internet und kritische Medien. Das Böse und das Gute sind wie Ying und Yang. Im einen befindet sich immer ein Teil des jeweils anderen, manchmal ist er jedoch so klein, dass man ihn kaum erkennt. Im Nationalsozialismus, das eine Auswucherung des Bösen darstellt, wie ein Krebsgeschwür gibt es nichts Gutes, außer vielleicht die Menschen, die ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden zu helfen wie Oskar Schindler zum Beispiel. 

Der Mensch glaubt gerne, dass immer das Gute gewinnt, weil es einen Grund hat, weil es mehr ist, als eine Lust der Natur, weil es auf der Vernunft und den Verstand genauso beruht, wie auf dem guten Gewissen, das jeder mündige, eigenständig-denkende Mensch sein Eigen nennen darf. Das Gute ist wie ein Baum, wie ein Mangroven-Baum im Amazonas. Es hat ein jahrhundertealtes Geflecht aus Wurzeln, das viele, viele Meter, nein Kilometer weit reicht, sogar die ganze Erde umschlingt und ein Baum sprießt hervor, der älter ist, als Adam und Eva, älter als Lilith, Adams erste Frau, die aus dem Paradies geschmissen wurde. 

Vor dem Nichts war das Nichts und das Nichts war unterteilt in Gut und Böse. Und das Gute und Böse konnten sich nicht ausstehen, neugierig auf den jeweils anderen waren sie jedoch schon, und da begannen sie sich eines Tages anzunähern immer weiter bis sie sich berührten und es entstand Grau und daraus entstand der Mensch. Ein Wesen in Grau. Das wäre doch die einleuchtendere Theorie als die Schöpfungsgeschichte in sieben Tage.

Es heißt nicht: Am Schluss gewinnt das Gute. In welchem Krieg kann man denn sagen, dass eine Partei vollkommen gut ist. Es gewinnt der/die Stärkere – es gewinnt die Radikalität und weil der Mensch gerne gewinnen möchte, um nicht wie ein Dummkopf dazustehen, hat man das Radikale „gut“ genannt, aber nur in wahrlich prekären Krisenszenarien. In der Philosophiestunde sagt man nämlich immer brav kopfnickend „Jede Art von Radikalität ist schlecht – egal ob politisch gesehen in die linke oder rechte Richtung“. Blödsinn, Radikalität beginnt da, wo Komfort aufhört und ein Klassenzimmer ist nichts anderes als ein Glaskasten in den jeder hineinschauen kann, aber keiner hinaus und das Ende sieht. Wir, Millenials, Genz Z- Kinder haben heute nichts mehr an das wir glauben können: Gott gibt es nicht mehr, Geld haben wir zu viel und Politiker „sind alles Schweine“, weil Papa beim Abendessen das so sagt. Wir laufen vor uns weg, um uns zu finden. Catull schrieb schon an seinen Freund, dass vor einem selbst wegzulaufen nichts bringt, weil „du dich selbst ja mit dir mitträgst“. Es sieht nicht so gut aus für uns, ehrlich gesagt. Und wir sind selber schuld. Es werden Konzerne menschenfreundlichere Bedingungen schaffen müssen, Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen und eine bessere Infrastruktur ans Tageslicht gebracht werden. Ansonsten werden sich die Wurzeln der Mangroven-Bäume bewegen, langsam aber stetig. Sie werden wachsen, sie werden wandeln und sie werden sich vermehren zu einem Gestrüpp verwachsen, das ein undurchsichtiges Fangnetzt darstellt und die Welt wird weiter brennen in einer noch nie dagewesenen Art und Weise. Die jungen Leute sind nicht so dumm und beschränken sich auf rohe, körperliche Gewalt, die vielleicht noch Zivilisten treffen könnte. Hackerangriffe, Spionage und nie aufhörende Demos gehören schon eher zu ihrem Repertoire und das schaffen sie alles vermutlich neben ihrem dreifachen Doktorratsstudium. Es geht schließlich um eine gute Work-Life-balance, oder? „Proletariat erhebt euch“, hieß es schon früher in der Geschichte. Das Proletariat besteht jedoch aus meistens IT-affinen, jungen, gebildeten, radikalen, linksliberalen Leuten, die sich ihrer Radikalität bewusst sind und darin nichts Schlimmes sehen, nein sie sogar für notwendig halten. Das Böse hat zwar keine Wurzeln, doch taucht es immer wieder auf, wie ein Virus eingenistet in den Körpern verschiedenster Menschen auf der ganzen Welt, das die Grautöne verschwimmen lässt. Eine ganz andere Art von Zweiklassengesellschaft hat sich gebildet. Und wie bereits vorher erwähnt, gibt es im jeweils anderen System schwarze und auch weiße Punkte: ältere Menschen, die eher auf der Seite des Klimawandels anstatt auf der von Kohlekraftwerken stehen, aber auch junge Menschen, die im Geiste 70 Jahre alt sind und mit Papas fettem Mercedes nach Monte Carlo ins Kasino deppern. 

Die Geschichte verläuft in Sinuskurven. Was jetzt noch ist, ist schon verloren. Die Radikalität hat bisher gewonnen sei es Gandhi, Nelson Mandela oder Malala. Die Menschen sind grau, ihre einzelnen Vertreter in schwarz oder weiß müssen sich also stätig im Gleichgewicht halten, um die Katastrophe aufhalten zu können oder wir sind alle verloren. Im Moment sieht es leider so aus, als ob der Mangroven-Baum vorher abbrennen würde, bevor ihm überhaupt geholfen werden kann. Die Zeit rinnt einfach davon, dieses menschengemachte Konstrukt, das wertvoller ist, als alles andere. Ich will nicht lügen, ich habe Angst. Und Angst macht Menschen gefährlich – ja sogar radikal, weil sie etwas zu verlieren haben. Ich gebe diese Welt erst auf, wenn ich mit ihr zugrunde gehe. Lustig, dass so viele Menschen glauben, dass sie junge Menschen zum Schweigen bringen könnten. Gleichgültigkeit ist schon längst nicht mehr in Mode.