Seminar "Spirituelle Erfahrungen in der Normandie" von 13. bis 19. September 2019

Freitag, der 13. – was den meisten Menschen ein ungutes Gefühl bereitet, bedeutete für uns 11 Mädels sowie einen einzigen tapferen Jungen und unsere beiden Lehrer den Beginn einer unvergesslichen Reise in die Normandie. Und so machten wir uns in den frühen Morgenstunden auf den 10-stündigen Weg mit dem Ziel des Prämonstratenser-Klosters Abbaye de Mondaye.

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Bereits nach dem ersten Zwischenhalt in Zürich war die riesige grüne Essenstasche einiger Seminar-Teilnehmer, deren Inhalt noch viele leere Mägen mitten in der Nacht füllen sollte, halb leergegessen. Und mit Süßigkeiten, Watten sowie einer Runde Tabu vergingen auch die restlichen Stunden Zugfahrt wie im Flug. Mit 25-minütiger Verspätung (französische Lokführer scheinen Fahrpläne erfahrungsgemäß recht wenig zu kümmern) wurden wir von Frater Gottfried mit zwei Flaschen Cidre und einem „gescheiten“ Abendessen herzlich im Kloster willkommen geheißen. Nach einer eiskalten Dusche fielen alle todmüde in die harten Betten, bis wir am nächsten Morgen gemeinsam mit den Chorherren mit einer Laudes in den Tag starteten. Frater Gottfried, der zum Glück Deutsch mit uns sprach, gab uns später die Möglichkeit, ihm einige Fragen zu stellen, die ihn, wie er uns später „beichtete“, teilweise sehr forderten. Kein Wunder, wenn man als Kirchendiener plötzlich von 12 neugierigen Jugendlichen über Exorzismus, LGBTQ+, Abtreibung und mehr ausgequetscht wird (so sehr, dass wir sogar seine Zeit für eine zweite Fragerunde am Nachmittag beanspruchen durften). Die Messe, die wir mittags mit den Fratres im Chorgestühl feierten, wurde teilweise sogar für uns auf Deutsch übersetzt, obwohl wir natürlich auch so alles verstanden hätten (wurde zumindest von manchen behauptet). Das Highlight dieses Tages stellte aber wohl die nächtliche Führung durchs Kloster dar, wo wir nach weiteren Fragen viele spannende Fakten über die Gebäude selbst sowie deren Bewohner erfahren konnten. Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren mittlerweile bekannten Taxifahrern zu einem der Strände, an denen am 6. Juni 1944, dem D-Day, die Alliierten in der Normandie landeten. Dort besuchten wir das 360° Kino, das mit Archivbildern die Ereignisse dieser geschichtsträchtigen Tage dokumentierte und ungeschönt die Realität dieser Zeit zeigte. Nachdenklich und etwas bedrückt verließen wir den Kinosaal. Nach dem Besuch des amerikanischen Kriegerfriedhofs im Anschluss wurde kaum mehr ein Wort gesprochen, in ihre Gedanken vertieft, sich mühend, das gerade Gesehene zu verarbeiten, saßen die meisten sichtbar erschüttert im Taxi. Um die Stimmung wieder etwas zu heben, fuhren wir in das kleine Städtchen Honfleur, wo wir uns mit einem (viel zu teuren) Eis in der Hand bei einem Spaziergang in der französischen Bilderbuch-Idylle entspannen konnten. Wieder zurück in Mondaye fanden einige von uns mit einem Gläschen Cidre in der Hand Erholung beim gemeinsamen Singen im Klostergarten. Unsere am Vortag geprobten Stücke gaben wir gleich am nächsten Morgen zum Besten, quasi als Abschiedsgeschenk für Frater Gottfried, der selbst begeisterter Musiker ist. Später fuhren wir nach Bayeux, wo wir uns den Teppich von Bayeux sowie die gotische Kathedrale, die Herrn Professor Fankhauser trotz begrenzter Zeit von nur 15 Minuten sichtlich begeisterte, anschauten. Mit unseren recht schweigsamen Taxifahrern (wir hätten so gerne unser Französisch an ihnen erprobt) ging es dann weiter nach Ardevon, wo wir vom Garten unserer Unterkunft aus schon den Mont Saint Michel erkennen konnten, den wir am nächsten Tag besuchen sollten. Nachdem unsere Fahrräder geliefert worden waren und sich Herr Professor Fankhauser gleich ein E-Bike geschnappt hatte (das er übrigens so gernhatte, dass er es am liebsten mit nach Hause genommen hätte), fuhren wir gleich in der Früh Richtung Mont. Nach kurzer Fahrt mit dem Rad, einem Fotostopp (siehe Bildergalerie) und einem Transfer im überfüllten Shuttlebus kamen wir endlich am eigentlichen Ziel unserer Reise an. Wir aßen viel zu teuer in einem kleinen Restaurant direkt an der Rue Grande (dt. „große Straße“, sollte eher „enge Gasse“ heißen) und streiften durch die zahllosen Souvenirläden des Orts. Mit vollen Einkaufstaschen in den Händen betraten wir dann am Nachmittag endlich das ehemalige Benediktinerkloster, wo uns Herr Professor Fankhauser eine Privatführung gab. Nach einem Spaziergang durch das Watt rund um den Mont fanden wir uns schließlich noch einmal in der Klosterkirche ein, um an der Vesper der Ordensleute der Gemeinschaft von Jerusalem teilzunehmen. Wieder in unserer Unterkunft angekommen, trugen wir uns ins Gästebuch ein und lauschten dem Klavierspiel einer unserer Mitschülerinnen, ehe wir rechtzeitig ins Bett gingen, da der Rückreisetag bereits um halb sechs in der Früh starten sollte. Mit einstündiger Verspätung kamen wir nach ungefähr 14 Stunden Fahrt gegen neun Uhr abends in Innsbruck an. Ein großes Danke gilt an dieser Stelle natürlich unseren beiden Professoren Frau Thummer-Wolf und Herrn Fankhauser für die tolle Organisation der gesamten Reise sowie die schöne gemeinsame Zeit. Und um unsere „spirituellen Erfahrungen in der Normandie“ noch einmal kurz zusammenzufassen: Laudate omnes gentes! (siehe Video in der Bildergalerie) Elisabeth Fischer 7B

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